Deutsche
Epilepsievereinigung

Der Tonische Anfall

Tonische Anfälle sind vielfältig. Begriffe hierfür sind "Versiv-" oder "Haltungsanfall". Auch "Sturzanfall" trifft manchmal zu. Ebenso ist er Teil vom Lennox-Gastaut- und vom West-Syndrom.

 

Tonische Anfälle treten häufig im Schlaf auf, aber auch am Tage. In der Regel sind die Anfälle sehr kurz, ca. 1-20 Sekunden, seltener bis zu einer Minute.

 

Bei einem Tonischen Anfall verkrampft sich die Muskulatur, was entweder gleich den ganzen Körper oder nur einzelne Muskeln betreffen kann. In gezwungener Haltung verharrt der Körper für kurze Zeit. Je nach Art des Anfalls kann es sein, daß Sie dabei stehen bleiben, sich dabei drehen oder auch hinstürzen. (Genauso kann es sein, daß Sie im Anfall plötzlich die Muskelspannung verlieren = atonisch).

 

Die Verkrampfung kann mit oder ohne Bewußtseinsverlust sein. Sie kann beidseitig gleich (symmetrisch) oder unterschiedlich (asymmetrisch) sein. Sie kann, wie heftiges Erschrecken oder ruckartiges Zusammenzucken, separat und von kurzer Dauer sein. Auch kann sie sich an eine Absence anschliessen, einem Grand-mal Anfall vorweggehen oder sie kann sich zu Serien häufen.

 

 

Wie sieht das aus?

Bei der Verkrampfung ist man nicht starr wie ein Brett, sondern diese ist häufig mit einer Drehbewegung verbunden (ein quälender Zwang, die Augen, den Kopf und/oder den ganzen Körper zu drehen, evtl. auch im Kreis = Wende-/ Versivanfall). Es kann sein, daß Sie dabei die Arme gleichzeitig beugen und strecken (Haltungsanfall). Es kann sein, daß Sie dabei den Kopf beugen, die Augen aufreißen und/oder den Mund öffnen, Laute äußern oder einnässen.

 

Vielleicht sind am Ende Ihres Anfalles auch noch einzelne Zuckungen oder kurze Automatismen (z.B. Nestelbewegungen) festzustellen.

 

Obwohl viele während des Anfalls nicht ansprechbar sind, ist das Bewußtsein oft nur leicht verändert. Vielleicht können Sie sich nach dem Anfall noch an die Verkrampfung erinnern.

 

 

Die Anfälle im Schlaf

Wenn bei Ihnen nachts Anfälle auftreten, können sie sehr milde und für andere häufig schwer als Anfall zu erkennen sein. Dabei öffnen sich nur kurz Ihre Augen, die Pupillen sind weit, Sie verdrehen die Augäpfel nach oben, und strecken den Kopf ein wenig.

 

Vielleicht dreht sich Ihr Körper noch zur Seite und verharrt in dieser Stellung ziemlich ruhig. Man könnte annehmen, daß Sie wieder schlafen.

 

 

Behandlung

Der tonische Anfall ist oft schwer zu erkennen und zu klassifizieren. Es gibt viele verschiedene Erscheinungsformen. Deshalb ist eine genaue Beobachtung und Beschreibung Ihrer Bewegungen (und Gefühle) in Zusammenhang mit einem Anfall besonders wichtig. Viele Anfälle sind sehr unauffällig.

 

Die Chancen für eine erfolgreiche medikamentöse Therapie hängen von der Art des Anfalls ab, meist sind sie gut. Eine Operation kommt in manchen Fällen in Frage.

 

 

Die Umwelt informieren, sich helfen lassen

Sie werden mehr Verständnis und damit bessere Hilfe finden, wenn Sie möglichst vor dem Auftreten der Anfälle Ihre Bekannten/Kollegen über Ihre spezielle Anfalllsart informieren. Eine Karte mit Informationen über Ihren Anfall, die Sie bei einer Aura aushändigen, kann Ihnen behilflich sein. Sagen Sie Ihren Bekannten, ob Sie nach dem Anfall Hilfe benötigen und welche.

Einen Arzt oder unterbrechende Medikamente benötigen Sie erst, wenn Sie länger als eine halbe Stunde nicht wieder bei vollem Bewußtsein und reaktionsfähig sind, oder wenn bei Ihnen aus Erfahrung die Tendenz zu Serien/Staten besteht.

 

 

Vorsichtsmaßnahmen im Haushalt

Vermeiden Sie offenes Feuer in der Wohnung (Gasherd, Kerzen, Rauchen). Es gibt Herde mit Abschaltautomatik, kochen auf den hinteren Flammen ist sicherer. Sie sollten nur unter Aufsicht schwimmen und baden.

Bei häufigen Stürzen könnten Sie z.B. Ihre Heizkörper verkleiden und von scharfkantigen Metallmöbeln o.ä. absehen. Falls Sie wegen häufiger Verletzungen auf einen Helm angewiesen sind, gibt es mittlerweile auch farbenfrohe, die wie Eishockey- oder Farradhelme aussehen.

 

 

 

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